Herford liegt dort, wo die Aa in die Werre mündet. Beide Läufe ziehen sich mit ihren bewachsenen Böschungen bis in die Innenstadt hinein und bilden einen praktisch ununterbrochenen Deckungsstreifen. Hochstaudensäume, Uferbewuchs und die Gartengrundstücke direkt am Wasser sind das ganze Jahr über besiedelt. Steigt der Pegel nach längerem Regen an oder wird im Spätsommer gemäht, verlieren die Tiere ihre Deckung schlagartig und suchen trockene Hohlräume — und der nächstgelegene trockene Hohlraum ist regelmäßig ein Herforder Kellerlichtschacht, eine offene Rohrdurchführung oder ein Gartenschuppen. Wir sehen deshalb in ufernahen Lagen deutlich mehr Erstbefälle als in den höher gelegenen Straßen am Stiftberg.
Der zweite Faktor ist die Bausubstanz. Die Herforder Altstadt und besonders die Radewig sind von Fachwerk geprägt, dazu kommen ganze Straßenzüge gründerzeitlicher Wohnhäuser. Fachwerk bedeutet für eine Maus: Gefache mit Lehm- oder Ziegelausfachung, Setzrisse zwischen Holz und Füllung, Balkenlager, die in die Außenwand einbinden, und Holzbalkendecken mit Schüttung dazwischen. Diese Schüttung — je nach Baualter Strohlehm, Sand oder Schlacke — lässt sich mühelos durchwühlen, dämmt Geräusche kaum und bietet ein perfektes Nest. Der Zugang von außen muss dabei nicht groß sein: Ein Spalt von rund sechs Millimetern reicht einer ausgewachsenen Hausmaus. In gewachsenem Fachwerk finden sich solche Spalten an fast jedem Schwellbalken.
Dazu kommt das textile Erbe der Stadt. Herford war über Generationen ein Standort der Leinen-, Woll- und Möbelindustrie, und viele dieser Produktionsgebäude stehen noch — heute als Loft, Büroetage, Lager, Werkstatt oder Ateliergebäude genutzt. Das Marta, untergebracht in einem Ensemble aus altem Fabrikbau und Gehry-Neubau, steht sinnbildlich für diese Umnutzung. Für die Schädlingsbekämpfung sind solche Objekte anspruchsvoll: Unter den neuen Estrichen liegen alte Bodenkanäle, hinter den abgehängten Decken laufen stillgelegte Leitungstrassen, und in den tiefen Sockelzonen alter Hallen gibt es Hohlräume, die in keinem Bestandsplan mehr auftauchen. Ein Köder, der im Wohngeschoss ausgelegt wird, greift dort nicht — die Tiere wandern im Kanal darunter. Wir arbeiten in solchen Gebäuden deshalb zuerst mit Spurenpuder und Kontrollpunkten in den Schächten, bevor überhaupt bekämpft wird.
Der dritte Faktor ist der Bahnknoten. Herford liegt an der Hauptstrecke Bielefeld–Hannover, dazu zweigen die Verbindungen Richtung Detmold und Richtung Bünde/Osnabrück ab. Das ergibt breite Gleisfelder, Bahndämme und Böschungen, die quer durch das Stadtgebiet laufen. Schotterbett und Böschungsbewuchs sind ideale Wanderkorridore: Deckung, kaum Störung, und alle paar hundert Meter ein angrenzendes Grundstück. Häuser und Gewerbeeinheiten direkt an diesen Anlagen bekommen Zuzug in Schüben, oft nach Grünpflegearbeiten an der Böschung. Wer dort nur im Gebäude bekämpft, bekämpft dauerhaft nach. Sinnvoll ist die Kombination aus Bekämpfung im Objekt und konsequentem Verschluss der gebäudeseitigen Zugänge.
Schließlich der Jahresrhythmus. Die Herforder Randlagen — Diebrock, Eickum, Herringhausen, Falkendiek, Stedefreund — gehen unmittelbar in Acker- und Weideland über. Solange die Felder Deckung und Nahrung bieten, bleibt die Feldmaus draußen. Ab der Ernte und dem ersten Nachtfrost kehrt sich das um: Die Tiere ziehen in Richtung Wärme, und die ersten warmen Ziele sind Ställe, Scheunen, Futterlager, Garagen und dann die Wohngebäude selbst. Die Anrufe aus diesen Ortsteilen häufen sich verlässlich zwischen September und November. Wer im Sommer die Sockelzone in Ordnung bringt, spart sich im Herbst den Einsatz.
Aus all dem folgt für uns eine klare Reihenfolge in der Schädlingsbekämpfung: erst bestimmen, welche Art und welcher Weg vorliegt, dann bekämpfen, und am Ende die Zugänge dauerhaft schließen. Reine Bekämpfung ohne Verschluss ist in Herford fast immer ein Abo — bei Fachwerk, Flussnähe und Gleisanlagen kommen die nächsten Tiere von allein nach.