Bünde ist über Jahrzehnte von der Zigarrenherstellung geprägt worden — die Stadt gilt als Zentrum der deutschen Zigarrenindustrie, das Deutsche Tabak- und Zigarrenmuseum erinnert bis heute daran. Diese Vergangenheit ist kein Museumsthema, sie steht noch im Stadtbild: Fabrikgebäude aus Backstein mit hohen, weitläufigen Böden, Fabrikantenvillen, Arbeiterhäuser in dichten Zeilen, dazu die älteren Ravensberger Hofanlagen und Fachwerkbauten in den Randlagen. Viele dieser Gebäude sind längst umgenutzt und beherbergen heute Wohnungen, Praxen, Läden, Lager oder Werkstätten. Für einen Schädlingsbekämpfer ergibt sich daraus ein sehr eigener Arbeitsalltag: große, selten betretene Dachräume, in denen Marder und Tauben monatelang unbemerkt bleiben; verwinkelte, teilweise miteinander verbundene Keller mit alten Leitungsdurchführungen, über die Nager von einem Haus ins nächste wechseln; und Balkenlagen aus unbehandeltem Holz, die wir prüfen, sobald wir sie zu sehen bekommen.
Die zweite Besonderheit ist die Lage. Bünde liegt im Ravensberger Hügelland auf der breiten Talrinne der Else, die das Stadtgebiet von Westen nach Osten quert und weiter östlich in die Werre entwässert; nach Norden steigt das Gelände zu den Ausläufern des Wiehengebirges an. Zwölf Ortsteile gehören zur Stadt, und sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Mitte und Ennigloh sind städtisch verdichtet, Spradow, Hunnebrock und Südlengern mischen Siedlungs- und Gewerbebau, während Muckum, Dünne, Holsen, Werfen, Ahle, Hüffen und Randringhausen ländlich bleiben, mit Höfen, Grünland und Einzellagen bis an die Kreisgrenze. Aus dieser Mischung ergeben sich drei wiederkehrende Bilder: Ratten, die den Bachläufen und der Kanalisation folgen und über Lichtschächte, Rückstauklappen und alte Rohrdurchführungen in Keller gelangen; Mäuse, die nach der Ernte von den Feldern in Hofgebäude, Scheunen und angrenzende Wohnhäuser ziehen; und Schaben, die in Küchen, Backstuben und Sozialräumen entlang der Gewerbelagen an A30 und Bahnstrecke ganzjährig im Warmen sitzen und sich nicht nach der Jahreszeit richten. Hinzu kommen die Grün- und Hanglagen am Doberg und im Kurpark Randringhausen, wo Wespen und Ameisen in Böschungen und Pflasterfugen ihre Nester anlegen.