Zwei Flüsse, eine Talsohle. Herford ist um die Stelle gewachsen, an der die Aa in die Werre läuft. Das prägt die Wespensaison stärker, als man zunächst vermutet: Die Talsohle bleibt lange feucht und kühl, die Oberkanten der Uferböschungen dagegen trocknen im Frühsommer schnell ab und wärmen sich unter Südsonne stark auf. Genau dort — im lockeren, gut drainierten Erdreich der Böschungsschulter, oft in verlassenen Wühlmausgängen — legen Deutsche Wespen ihre Erdnester an. Wir finden sie im Sommer regelmäßig an den Uferwegen, in den wassernahen Kleingärten und in den Gartengrundstücken, die bis an die Böschung heranreichen. Das Nahrungsangebot der Auwiesen und der alten Obstbestände hält die Völker bis in den September hinein groß, und weil in den Uferwiesen nur wenige Male im Jahr gemäht wird, fällt ein Erdnest oft erst auf, wenn der Balken darüberläuft.
Backstein, der Wärme speichert. Die Textil- und Möbelindustrie hat Herford eine Bausubstanz hinterlassen, die es in dieser Dichte nicht überall gibt: massive Ziegelwände, Sheddächer über den ehemaligen Websälen, hohe Fensterreihen mit Stahlprofilen, Maueranker, Lüftungsdurchbrüche. Eine besonnte Backsteinwand speichert Wärme bis weit in die Nacht — Königinnen finden hier früher als anderswo im Stadtgebiet ein geeignetes Klima und gründen entsprechend zeitiger. Wo diese Gebäude zu Lofts, Kanzleien, Praxen und Ateliers umgebaut wurden, sind zwischen alter Konstruktion und neuem Innenausbau Hohlräume entstanden, die im Bestandsplan oft gar nicht auftauchen: der Spalt unter der Shedverglasung, der ausgemauerte Aufzugsschacht, das Volumen über der abgehängten Decke. Ein Nest dort ist selten schwer zu behandeln — schwer ist es, den Weg dorthin zu finden, ohne eine fertige Deckenfläche zu öffnen. Wir arbeiten in diesen Objekten fast immer über vorhandene Revisionsklappen und Leuchtenauslässe.
Der Innenstadtrand ums Marta. Rund um das Marta Herford treffen der geschwungene Backstein- und Edelstahlbau, benachbarte Bestandsgebäude aus der Fabrikzeit, Vorplatzflächen und Außengastronomie auf einem engen Raum zusammen. Was uns von dort erreicht, sind fast nie klassische Nestmeldungen, sondern Lästlingsanfragen: Ab August sammeln Arbeiterinnen im Umkreis von mehreren hundert Metern, gehen an Kuchenteller und Getränkegläser und gehören trotzdem zu keinem Nest, das am fraglichen Gebäude sitzt. Für Betreiber heißt das: Eine Nestbehandlung ist nur dann die richtige Maßnahme, wenn tatsächlich ein Nest an der eigenen Fassade oder im eigenen Dach sitzt und der Flugweg über die Sitzflächen führt. Andernfalls bringen abgedeckte Abfallbehälter, dichte Getränkedeckel und ein Ablenkangebot abseits der Tische mehr als jede Behandlung. Wir sagen das auch dann, wenn der Auftrag damit kleiner ausfällt.
Fachwerk mit Denkmalstatus. In der Radewig und der Neustadt steht Fachwerk in geschlossenen Zeilen, teils mit Lehmgefachen, Kalkputz, hölzernen Wetterbrettern und tiefen Balkenköpfen. Für die Schädlingsbekämpfung bedeutet das drei konkrete Einschränkungen. Erstens: gebohrt wird hier nur im Ausnahmefall und nie ohne Rücksprache — die Wege ins Gefach sind über bestehende Fugen und Risse fast immer erreichbar. Zweitens: In Räumen mit Lehm- und Kalkputz arbeiten wir mit staubförmigen Präparaten statt mit Sprühnebel, weil feine Feuchtigkeit auf diesen Oberflächen Ränder hinterlässt. Drittens: Die Altstadtgassen sind für einen Hubsteiger meist zu schmal, Anleiterpunkte auf altem Pflaster sind nicht überall belastbar. Termine an solchen Fassaden legen wir daher in die frühen Morgenstunden, wenn kaum Fußgängerverkehr unterwegs ist und wir eine Fläche kurzzeitig absperren können, ohne den Betrieb in der Gasse zu stören.
Der Bahnknoten und seine Böschungen. Herford ist Kreuzungspunkt: Die Hauptstrecke durch das Werretal trifft hier auf die Verbindung ins Lipperland, entsprechend viele Gleisanlagen, Dämme, Lärmschutzwände und Brückenwiderlager durchziehen das Stadtgebiet. Bahnbegleitgrün auf Schotterunterbau ist trockenwarm, störungsarm und für erdnistende Wespen nahezu ideal — an keiner anderen Struktur der Stadt liegen so viele Nester so dicht beieinander. Für die Anliegergrundstücke, die Gewerbeflächen im Bahnhofsumfeld und die Gärten an den Dammfüßen heißt das: Der Zuflug ist hoch, auch wenn auf dem eigenen Grundstück kein Nest zu finden ist. Wichtig zu wissen — unsere Arbeit endet an der Grenze zur Bahnanlage. Dort dürfen wir nicht tätig werden, dafür ist der Anlagenbetreiber zuständig. Was wir auf dem angrenzenden Grundstück tun können, ist Nester dort zu behandeln, Einflugwege am Gebäude zu schließen und die Bereiche zu benennen, an denen der Zuflug nicht abzustellen ist.
Und die Dörfer drumherum. Diebrock, Laar, Eickum, Herringhausen und Stedefreund haben eine andere Gebäudestruktur als die Kernstadt: landwirtschaftliche Nebengebäude, offene Scheunen, Holzschuppen, alte Hofeichen und Streuobstbestände. Hier melden uns Eigentümer deutlich häufiger Hornissen als in der Innenstadt — das offene Rähm einer Scheune und die Höhle eines abgängigen Obstbaums sind klassische Hornissenquartiere. Diese Meldungen behandeln wir grundsätzlich anders: erst beurteilen, dann entscheiden, und nur dort eingreifen, wo es rechtlich zulässig und sachlich nötig ist.