Der Kreis Gütersloh gehört zu den industriestärksten Kreisen Nordrhein-Westfalens. Hausgerätefertigung, Ernährungs- und Fleischwirtschaft, Landmaschinenbau, Druck- und Medienbetriebe, dazu Logistik entlang der A 2 und der B 61. Diese Betriebe arbeiten seit Jahrzehnten mit Beschäftigten, die nicht in der Stadt gemeldet sind, sondern befristet hier wohnen: Werkvertragskräfte, Montageteams, Saisonpersonal, Auditoren, Anlagenbauer bei Umbauten. Sie schlafen in angemieteten Reihenhäusern, in Sammelunterkünften und in möblierten Zimmern — oft in Mehrfachbelegung, oft im Wochen- oder Monatsrhythmus wechselnd. Genau diesen Takt braucht die Bettwanze: viele Schlafplätze auf wenig Fläche und ständig neue Koffer.
Die Adressen liegen selten dort, wo Ortsfremde sie vermuten. Ein großer Teil der Monteurs- und Werksunterkünfte steckt in unauffälligen Zwei- und Dreifamilienhäusern der 1950er- und 60er-Jahre in Pavenstädt, Kattenstroth und Blankenhagen — Häuser, die einmal als Werkswohnungen für Belegschaften gebaut wurden und heute zimmerweise vermietet werden. Andere Unterkünfte sind Neubau-Apartments und Boardinghäuser an den Ausfallstraßen Richtung Verl, Rheda und Herzebrock: Schlüsselkasten am Eingang, keine Rezeption, kein täglicher Zimmerdienst. In beiden Fällen fehlt jemand, der die Betten morgens sieht. Ein Befall bleibt dort deutlich länger unentdeckt als in einer normal bewohnten Mietwohnung — und mit jeder Woche wächst der Radius.
Bautechnisch ist die zimmerweise Vermietung fast immer nachgerüstet worden. Wo früher zwei Wohnungen mit massiven Wänden lagen, stehen heute leichte Ständerwände; Kabelkanäle laufen über mehrere Zimmer durch, Bad und Küche hängen an einem gemeinsamen Steigschacht, Laminat liegt auf altem Estrich, und die Fußleisten sind nur aufgeklickt. Für Bettwanzen sind das offene Wege zwischen den Zimmern. Ein Schädlingsbekämpfer, der in so einem Haus ausschließlich das Zimmer behandelt, in dem gestochen wurde, behandelt zu klein und darf sich über den Rückfall vier Wochen später nicht wundern. Wir grenzen in Gütersloher Mehrbettobjekten deshalb grundsätzlich nach oben, unten und seitlich ein — und legen im Angebot offen, welche Zimmer wir aufgrund welcher Fundlage einbeziehen.
Die zweite Risikogruppe liegt zwischen Berliner Straße, Bahnhof und den Tagungshäusern am Rand der Innenstadt: Hotels und Pensionen mit hohem Geschäftsreiseanteil. Gütersloher Häuser leben von Werksbesuchern, Lieferantenaudits, Schulungen und Messevorbereitungen — Gäste, die vorletzte Woche in Osteuropa, gestern in Süddeutschland und heute hier übernachten. Für ein Haus mit vierzig Zimmern ist ein einzelnes gesperrtes Zimmer teuer, ein Gerücht in der Stammkundschaft ist teurer. Aufträge in Beherbergungsbetrieben fahren wir daher ohne Firmenschriftzug am Fahrzeug, mit neutralen Koffern und auf Wunsch außerhalb der An- und Abreisezeiten. Der Belegungsplan gibt den Takt vor, nicht unser Kalender.
Die dritte Gruppe sind ganz normale Haushalte in Avenwedde, Spexard, Isselhorst oder Friedrichsdorf — und auch dort kommt die Wanze fast nie aus dem Nichts. Sie kommt mit dem Sohn, der aus der Werksunterkunft zurück ins Elternhaus zieht. Mit dem gebrauchten Bettgestell, das am Wochenende in einer Nachbargemeinde abgeholt wurde. Mit dem Koffer nach dem Heimaturlaub, der zwei Nächte in einer Zwischenunterkunft stand. Deshalb fragen wir am Telefon nach den letzten vier Wochen und nicht nach dem Baujahr des Hauses. In einem freistehenden Haus in Isselhorst ist ein früh entdeckter Befall meist auf einen Raum begrenzt und mit einem sauber geplanten Durchgang plus Kontrolltermin gut beherrschbar. Genau darin unterscheiden sich diese Aufträge von den Mehrbettobjekten — und deshalb bekommen sie bei uns auch einen anderen Zuschnitt und nicht dasselbe Standardpaket.
Ein Gütersloher Sonderfall ist die schnelle Weitergabe von möbliertem Wohnraum. Zimmer werden hier häufig mit Bett, Schrank und Matratze übernommen — vom Vormieter, vom Kollegen, vom Arbeitgeber. Das Mobiliar bleibt, die Menschen wechseln. Wenn wir in einem solchen Objekt behandeln, dokumentieren wir deshalb nicht nur, was gemacht wurde, sondern auch, welche Möbelstücke im Raum verblieben sind. Diese Liste ist für Verwaltungen und Werksleitungen später oft wichtiger als das Behandlungsprotokoll selbst, weil sie zeigt, welches Stück beim nächsten Verdacht zuerst geprüft gehört.