Löhne ist eine Stadt ohne Altstadt. Was heute unter einem Namen firmiert, waren bis 1969 fünf Gemeinden, und man sieht ihnen die eigene Geschichte weiterhin an: Gohfeld am Südufer der Werre, Mennighüffen mit dem Wasserschloss Ulenburg im Rücken, Obernbeck, Ulenburg und der Bereich um Löhne-Ort, dessen alter Baubestand in den achtziger und neunziger Jahren zum großen Teil abgeräumt und ersetzt wurde. Zwischen diesen Kernen liegt keine geschlossene Bebauung, sondern das für das Ravensberger Land typische Muster aus Einzelhöfen, Streusiedlung und Feldmark. Für die Schädlingsbekämpfung hat das zwei Folgen. Erstens gibt es kaum ein Löhner Grundstück ohne Nebengebäude — Scheune, Stallanbau, Doppelgarage, Gartenhaus —, und genau dort sitzen die Nester, hausen die Marder und finden Mäuse ihre Winterquartiere. Zweitens grenzen Wohnhäuser hier ausgesprochen häufig direkt an offene Fläche: Acker, Grünland, Gehölzstreifen. Nach der Ernte ist die Hauswand die erste Deckung, auf die eine Maus stößt.
Der zweite prägende Zug ist die Arbeit. Löhne nennt sich Weltstadt der Küchen, und das ist kein Slogan ohne Substanz: Auf die Zigarrenfertigung des 19. Jahrhunderts folgte ab den zwanziger Jahren die Möbelindustrie, die den Ort bis heute trägt. Dazu kommen Zulieferer, Beschlagshersteller, Speditionen und weitläufige Lagerflächen. Was in einem Küchenwerk anfällt, ist aus Sicht eines Schädlings ein gedeckter Tisch: Kartonage und Verpackungsmaterial in Mengen, Paletten- und Späneläger, Sozialräume, Kantinen und Werksküchen, dazu Verladerampen, die im Sommer stundenlang offen stehen. Mäuse ziehen in Zwischenwände und Kabeltrassen, Ratten arbeiten sich über Rampe und Entwässerung heran, und Schaben werden mit Ware, Leergut oder Beschäftigten eingeschleppt und dann in warmen Technikräumen dauerhaft. Hinzu kommen die Bahnanlagen: Löhne war jahrzehntelang einer der wichtigsten Eisenbahnknoten Nordwestdeutschlands, mit Strecken Richtung Osnabrück und Hameln und einem großen Rangierbahnhof. Ein Teil dieser Flächen wird heute nicht mehr in vollem Umfang genutzt — Böschungen, Schotterflächen und selten begangene Randstreifen ziehen als Leitlinien quer durchs Stadtgebiet.