Vlotho ist die einzige Stadt im Kreis Herford, die beiderseits der Weser liegt, und das prägt jeden Einsatz. Der historische Kern klemmt zwischen Fluss und Steilhang: schmale Straßen, Fachwerk und Bruchsteinsockel, Häuser, die in Terrassen in den Berg gesetzt sind, darüber der Amtshausberg mit der Burgruine. Für einen Schädlingsbekämpfer sind zwei Dinge daran entscheidend. Erstens sammelt sich im Talgrund alles, was von oben kommt — Regenwasser, Kanalnetz, Uferbewuchs und Uferbefestigung laufen hier auf engem Raum zusammen, und genau dieses Netz nutzen Wanderratten als durchgehenden Laufweg. Wir legen Köder- und Monitoringpunkte deshalb nicht dort an, wo der Kot gefunden wurde, sondern entlang der tatsächlichen Wege zwischen Böschung, Schacht und Hausanschluss. Zweitens sind die Keller in der Altstadt teils in den Hang gegraben und über die Jahrhunderte mehrfach umgebaut worden. Aufgegebene Leitungen, nachträgliche Durchführungen und offene Fugen im Bruchsteinmauerwerk ergeben Öffnungen, die man ohne Lampe und Spiegel schlicht übersieht.
Oberhalb des Tals sieht Vlotho völlig anders aus. Exter, Valdorf, Bonneberg, Steinbründorf und Winterberg sind weiträumige, überwiegend ländliche Stadtteile mit Höfen, Pferdehaltung, Grünland und großen zusammenhängenden Waldflächen; Uffeln liegt als eigener Ortsteil auf der anderen Weserseite. Daraus ergeben sich drei Bilder, die wir hier regelmäßig sehen. Der Steinmarder pendelt zwischen Waldrand, Feldgehölz und Dachstuhl und findet an bewachsenen Fassaden und über Anbauten kurze Aufstiege — in Waldrandlagen ist er nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Mäuse ziehen nach der Ernte aus Feld und Grünland in Scheune, Futterlager und Wohnteil. Und in alten Fachwerkscheunen, Hofställen und ungedämmten Dachstühlen gehören Ausfluglöcher und Bohrmehl an tragenden Balken ins Prüfprogramm, sobald wir einen älteren Dachraum betreten. Dazu kommt ein Gewerbebild, das Vlotho vom Rest des Kreises unterscheidet: Kur- und Klinikbetriebe, Pensionen und Gastronomie am Fluss auf der einen Seite, Lager- und Logistikflächen an den Anschlussstellen der A2 auf der anderen. In beiden Fällen kommen Schaben und Nager selten von draußen — sie kommen mit Wäsche, Paletten und Warenanlieferung ins Haus.