Borgholzhausen — von Einheimischen nur „Pium“ genannt — liegt ganz im Nordwesten des Kreises Gütersloh, dort wo der Teutoburger Wald die Grenze nach Niedersachsen zieht. Hinter dem Kamm beginnt bereits der Landkreis Osnabrück mit Dissen, Bad Rothenfelde und Melle. Rund 9.000 Menschen leben hier, verteilt auf den Ortskern und elf Ortsteile: Barnhausen, Berghausen, Casum, Cleve, Hamlingdorf, Holtfeld, Kleekamp, Oldendorf, Ostbarthausen, Westbarthausen und Wichlinghausen. Zwölf eigenständige Gemeinden wurden am 1. Juli 1969 zur heutigen Stadt zusammengelegt; ihre alten Namen führte der Rat allerdings erst gut fünf Jahrzehnte später wieder offiziell als Ortsteile ein. Noch weiter zurück reicht die Vogtei Borgholzhausen im Amt Ravensberg der gleichnamigen Grafschaft — an sie erinnert die Burg Ravensberg aus dem frühen 12. Jahrhundert oben auf dem Kamm, wenige hundert Meter vom Luisenturm auf dem Barnhauser Berg und direkt an der fünften Etappe der Hermannshöhen.
Bekannt geworden ist der Ort aber durch etwas anderes: Seit etwa 1740 werden hier Honigkuchen und Lebkuchen hergestellt. Angefangen hat das mit dem Flachs, der im Ravensberger Land für die Leinenweberei angebaut wurde — die Blüten lockten Bienen, aus deren Honig die Piumer ihr Gebäck buken. Die Tradition hält sich bis heute in Manufakturen, Bäckereien und Cafés, und daneben ist ein zweiter Wirtschaftszweig gewachsen: Betriebe für Lebensmittelverpackungen und Handtransportgeräte, dazu Speditionen und Handwerk an der Anschlussstelle der A 33. Für unsere Arbeit ergibt das eine ungewöhnliche Mischung. Wo Zucker, Honig, Mehl, Nüsse und Trockenfrüchte über Monate eingelagert werden, geht es um Vorratsschädlinge und um saubere Dokumentation für die Lebensmittelüberwachung. Wo dagegen die Wohnbebauung am Hang endet und der Wald anfängt, geht es um Marder unter der Dachpfanne, um Mäuse, die im Oktober vom Feld ins Haus wechseln, und um Nester in Nebengebäuden, die den ganzen Sommer über niemand betreten hat. Und in den Streusiedlungen des Hügellandes gilt, was für ganz Ravensberg gilt: Einzelhöfe mit Milchvieh, Futterlager und weite Dachflächen liefern Nagern und Mardern dauerhaft Nachschub.