Delbrück in seiner heutigen Form gibt es seit dem 1. Januar 1975 — damals wurden die Gemeinden des früheren Amtes Delbrück mit Anreppen, Bentfeld und Boke aus dem Amt Salzkotten-Boke zusammengelegt. Herausgekommen ist eine ausgesprochene Flächenstadt: gut 30.000 Einwohner, rund 157 Quadratkilometer, zehn Orte mit jeweils eigenem Kern und dazwischen die für das Delbrücker Land typische Streusiedlung aus einzeln liegenden Höfen. Für einen Schädlingsbekämpfer verschiebt das den Schwerpunkt spürbar weg vom Mehrfamilienhaus und hin zum landwirtschaftlichen Anwesen: Wohnhaus, Stall, Maschinenhalle, Futterlager und Kühlraum liegen unter einem Betrieb zusammen, und ein Nagerproblem in der Scheune ist zwei Wochen später ein Nagerproblem in der Küche. Wir nehmen solche Objekte deshalb grundsätzlich als Ganzes auf und nicht raumweise — sonst wandert der Befall nur weiter.
Die zweite Delbrücker Besonderheit ist das Wasser in einer fast ebenen Landschaft. Das Delbrücker Land liegt zwischen Ems im Norden und Lippe im Süden, auf gerade einmal 37 Metern Höhenunterschied. Dazu kommt der Boker-Heide-Kanal: 1853 eröffnet, rund 32 Kilometer lang, bis in die 1970er-Jahre zur Bewässerung der einst kargen Boker Heide genutzt und bis heute mit einem verzweigten Grabensystem im Gelände. Am Steinhorster Becken bei Steinhorst liegt zudem ein rund 82 Hektar großes Naturschutzgebiet. Wanderratten folgen genau diesen Linien — Uferböschung, Graben, Rohrdurchlass, Kanalanschluss — und gelangen über Lichtschächte und undichte Leitungsdurchführungen in Keller und Nebengebäude. Hinzu kommt der alte Baubestand: In den Ortskernen und auf den Höfen steht Fachwerk mit Ständerwerk und Bruchsteinsockeln, dessen Dachstühle aus unbehandeltem Holz wir bei jedem Termin auf holzzerstörende Insekten mitprüfen. Wo Küchen laufen — Gaststätte, Bäckerei, Metzgerei, Hofladen, Betriebskantine, Verarbeitung im Gemüsebau — ist die Schabe ein ganzjähriges Thema, weil sie im Warmen sitzt und auf Jahreszeiten schlicht nicht reagiert.