Borgentreich ist Bördeland. Die Stadt liegt auf den fruchtbaren Lössflächen zwischen Egge und Diemel, gut 250 Meter hoch, mit weiten Schlägen, Feldwegen, Windrädern am Horizont und nur wenigen geschlossenen Waldstücken. Die Kernstadt trägt den Beinamen Orgelstadt: Im alten Rathaus ist ein Orgelmuseum untergebracht, in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist steht eine viel beachtete Barockorgel. Für unsere Arbeit zählt vor allem, was um diese Bauten herum steht — Ackerbürgerhäuser mit Fachwerk und Bruchsteinsockel, tiefe Gewölbekeller, Scheunen und Remisen im Hinterhof, dazu Kirchen- und Speicherdächer mit alten, unbehandelten Balkenlagen. In diesem Bestand suchen wir andere Dinge als im Neubaugebiet: offene Fugen im Sockelmauerwerk, durch die Mäuse einwandern, Ausflug- und Fraßspuren an Schwellen, Ständern und Deckenbalken, sowie selten betretene Dachräume, in denen sich ein Marder monatelang unbemerkt einrichtet.
Die elf Ortsteile sind bis heute stark landwirtschaftlich geprägt, und das verschiebt die Schwerpunkte gegenüber einer Stadtlage deutlich. In Großeneder und Lütgeneder, deren Namen auf die Eder als Zufluss der Diemel zurückgehen, in Körbecke, Natzungen, Bühne, Manrode, Muddenhagen, Natingen, Drankhausen und Rösebeck liegen Hofstellen mit Stall, Futterlager und Maschinenhalle mitten im Dorf, direkt an der Wohnbebauung. Wo Getreide, Futter und Kleintierhaltung dicht beieinander liegen, sind Ratten und Mäuse ein Dauerthema und keine Ausnahme. Borgholz bringt als zweiter historischer Ortskern eigenes Fachwerk und eigene Kellergewölbe mit. Dorfgasthöfe, Bäckereien und Metzgereien im Stadtgebiet wiederum sind die Objekte, in denen Schaben ganzjährig im Warmen sitzen — in Küche, Spülbereich, Lager und Technikraum, unabhängig von der Jahreszeit. Und weil jeder Ortsteil an Feldflur, Feldgehölz oder Waldrand grenzt, kommen Marder auf dem Dachboden und Wespen- wie Ameisennester in Pflasterfugen und Böschungen verlässlich dazu.