Die Altstadt von Höxter ist über Jahrhunderte gewachsen und in großen Teilen aus Fachwerk gebaut. Das Adam-und-Eva-Haus von 1571, das Rathaus im Stil der Weserrenaissance, das Dechanatshaus, dazu ganze Straßenzüge mit Gefachwänden, vorkragenden Obergeschossen und schmalen Traufgassen. Baulich ist das etwas völlig anderes als eine Siedlung aus den 1970er-Jahren, und für die Schädlingsbekämpfung heißt das drei Dinge. Erstens: Fachwerk arbeitet. Zwischen Balken und Ausfachung, an Schwellen und Balkenköpfen entstehen mit den Jahren Fugen, durch die Mäuse in Decken- und Wandhohlräume kommen und in denen Wespen ihre Nester anlegen — oft völlig unbemerkt, bis das Einflugloch an der Fassade auffällt. Zweitens: Es geht um verbautes Holz. Hausbock und Nagekäfer finden in alten Dachstühlen, Deckenbalken und Fußpfetten genau das Material, auf das sie angewiesen sind; Bohrmehl unter einem Balken ist deshalb kein kosmetisches Thema, sondern gehört fachlich beurteilt. Drittens: In der dichten Blockrandbebauung hängen Gebäude zusammen. Hinterhöfe, gemeinsame Brandwände, alte Kellergewölbe und Anschlussleitungen aus mehreren Bauepochen verbinden Häuser unterirdisch miteinander, weshalb eine Rattenbekämpfung, die an der Grundstücksgrenze aufhört, in der Innenstadt selten trägt.
Außerhalb der Kernstadt ändert sich das Bild komplett. Godelheim, Lüchtringen, Stahle und Albaxen liegen unten an der Weser, mit Auwald, Gräben und den Godelheimer Seen als Naherholungsgebiet direkt vor der Haustür — Wasser, Deckung und Nahrung auf engstem Raum, das klassische Umfeld für Wanderratten. Bödexen, Bosseborn, Ovenhausen, Lütmarsen, Fürstenau, Bruchhausen, Brenkhausen und Ottbergen dagegen liegen auf den Höhen, teils mehrere hundert Meter über dem Flusstal, und sind bis heute landwirtschaftlich geprägt: Hofstellen mitten im Dorf, Scheunen, Futter- und Getreidelager, Maschinenhallen, Streuobstwiesen am Ortsrand. Wenn im August und September die Schläge abgeerntet sind, verlieren Feld- und Hausmäuse ihre Deckung und ziehen in Scheune, Garage und Wohnhaus. Dazu kommt der Wald: Höxter ist von großen zusammenhängenden Waldflächen umgeben, und wo Waldrand, Streuobst und Ortsrand ineinander übergehen, hat der Steinmarder kurze Wege auf Dachböden und in Carports. In der Kernstadt schließlich sorgen Hotellerie, Ferienwohnungen entlang des Weserradwegs, Studentenwohnungen des Hochschulstandorts und Monteurunterkünfte für den einen Befallsweg, der mit Bausubstanz nichts zu tun hat: Bettwanzen reisen im Gepäck.