Steinheim ist keine Stadt, die sich in einem Satz beschreiben lässt — und das merkt man an jedem Auftrag. Die Kernstadt ist alt gewachsen: Fachwerkhäuser rund um Markt und Kirchplatz, schmale Grundstücke, Gebäude, die mit Brandwand an Brandwand stehen, dahinter Hinterhöfe, Schuppen und Kellergewölbe aus mehreren Bauepochen. Für die Schädlingsbekämpfung heißt das zunächst: Zugänge suchen, nicht Symptome behandeln. Fachwerk arbeitet, zwischen Balken und Ausfachung öffnen sich mit den Jahrzehnten Fugen, und was einer Maus zwei Zentimeter Platz lässt, ist ein Weg in den Deckenhohlraum. Wespen wiederum bauen genau dort, wo sie ungestört sind: in Gefachen, hinter Verschalungen, in Rollladenkästen. Dazu kommt die zweite Steinheimer Besonderheit — das produzierende Gewerbe. Möbelbau und Holzverarbeitung haben hier eine lange Tradition, dazu Handwerk, Speditionen und Lagerhaltung. Hallen mit Rolltoren, Verladerampen, Rohholz- und Palettenlager, Sozial- und Küchenräume: das sind vollkommen andere Objekte als ein Einfamilienhaus, und sie verlangen ein anderes Vorgehen, inklusive Dokumentation für Ihre Betriebsunterlagen.
Vor den Toren der Kernstadt ändert sich das Bild gleich zweimal. Nach Osten und Norden liegt die Steinheimer Börde mit fruchtbaren Lössböden, weiten Ackerflächen und Dörfern wie Bergheim, Eichholz, Ottenhausen, Rolfzen und Vinsebeck, wo Hofstellen bis heute mitten im Ort stehen — mit Scheune, Futter- und Getreidelager, Maschinenhalle und Auslauf. Vinsebeck hat mit seinem barocken Wasserschloss samt Gräfte zusätzlich dauerhaftes Oberflächenwasser mitten im Dorf, und Wasser plus Deckung plus Futter ist die Formel, nach der Wanderratten ihre Baue anlegen. Dasselbe gilt entlang der Emmer, die aus dem Eggegebirge kommt, durch das Stadtgebiet zieht und mit Uferböschungen, Zuläufen und Gräben eine durchgehende Leitlinie bildet. Nach Westen und Süden steigt das Gelände dagegen zum Eggegebirge an: Sandebeck und Grevenhagen liegen deutlich höher, unmittelbar am Wald, mit Streuobst, Weiden und Waldrand direkt hinter den Gärten. Wo Waldsaum und Ortsrand ineinander übergehen, hat der Steinmarder den kürzesten denkbaren Weg auf Dachboden, in Carport und unter die Motorhaube — und Wespen wie Hornissen finden Nistplätze in Altbäumen, Schuppen und Dachüberständen. Ein Schädlingsbekämpfer, der in Steinheim arbeitet, braucht deshalb für drei sehr verschiedene Lagen dasselbe Handwerk.