Enger trägt den Beinamen Widukindstadt, und das ist keine Marketingerfindung, sondern Bausubstanz: Im Zentrum steht die Stiftskirche St. Dionysius mit dem Widukind-Grabmal, gleich nebenan das Widukind-Museum. Um diesen Kern herum liegt ein kompakter historischer Ortskern mit Fachwerkhäusern, tiefen Gewölbekellern und schmalen Grundstücken, die dicht aneinandergebaut sind. Für einen Schädlingsbekämpfer ändert das die Herangehensweise grundlegend. Wo Keller über Jahrhunderte gewachsen sind, teils gemeinsame Wände haben und die Hausanschlüsse mehrfach erneuert wurden, wandern Ratten und Mäuse selten nur in einem Haus. Wir prüfen deshalb im Altstadtbereich grundsätzlich die Nachbarschaft mit — sonst behandelt man ein Gebäude, während der Zulauf aus dem Nebenhaus weiterläuft. Dazu kommt das Fachwerk selbst: Ständerwerk, Balkenlagen und alte Dachstühle aus unbehandeltem Eichen- und Nadelholz gehören ins Prüfprogramm, sobald wir einen älteren Dachraum betreten.
Jenseits des Kerns sieht Enger völlig anders aus. Der weitaus größte Teil der Stadtfläche gehört zu den Bauerschaften — Westerenger, Dreyen, Herringhausen, Pödinghausen, Oldinghausen, Belke-Steinbeck und Siele —, und die sind nach der typischen Streusiedlung des Ravensberger Landes aufgebaut: Einzelhöfe und kleine Hofgruppen liegen weit auseinander, dazwischen Äcker, Wiesen, Baumreihen und Feldgehölze, durchzogen von kleinen Bächen, die nach Norden zur Else entwässern. Daraus ergeben sich drei Bilder, die wir in Enger regelmäßig sehen: Mäuse, die nach der Ernte in Scheune, Futterlager und Wohnteil des Hofes ziehen; Steinmarder, die zwischen Feldgehölz, Nebengebäude und Dachboden pendeln und sich mit den bewachsenen Fassaden älterer Hofstellen bequeme Aufstiege verschaffen; und Ameisenstraßen in den Fugen von Terrassen und Hofpflaster. Enger ist außerdem kein reiner Wohnort — die Möbel- und Zulieferindustrie des Ravensberger Landes, Metallverarbeitung, Bäckereien, Hofläden und Gastronomie sorgen für Küchen, Lager und Sozialräume, in denen die Deutsche Schabe ganzjährig im Warmen sitzt und sich nicht nach der Jahreszeit richtet.