Werther (Westf.) liegt am Nordwestabfall des Teutoburger Waldes, dort wo der Kamm in das wellige Ravensberger Hügelland ausläuft. Gut 11.000 Menschen leben hier, verteilt auf eine Kernstadt und die Ortsteile Häger, Isingdorf, Rotenhagen, Rotingdorf und Theenhausen, die 1973 mit Teilen von Schröttinghausen zur heutigen Stadt zusammengelegt wurden. Bemerkenswert für die Praxis: Nur Werther selbst, Häger und Theenhausen sind geschlossene Ortschaften — der Rest ist Streusiedlung mit einzeln liegenden Hofstellen, dazwischen Weiden, Ackerstreifen und die für das Ravensberger Land typischen Wallhecken. Langenheide, zwischen Rotenhagen, Rotingdorf und Theenhausen gelegen, ist streng genommen gar kein Ortsteil, sondern eine Flur- und Ortsbezeichnung, die sich über Grundschule und Bürgerhaus eingebürgert hat. Den Mittelpunkt bildet die verkehrsberuhigte Altstadt mit gut erhaltenen westfälischen Fachwerkhäusern, kleinen Fachgeschäften und Gastronomie. Werther nennt sich Böckstiegelstadt: Der Expressionist Peter August Böckstiegel wurde 1889 in Arrode geboren, sein Geburtshaus und das Museum liegen an einer rund fünf Kilometer langen Kulturroute mit siebzehn Stationen, die vom Zentrum über Arrode bis nach Deppendorf führt. Über den Haltepunkt des Haller Willem ist die Stadt Richtung Bielefeld und Osnabrück angebunden, über die Hermannshöhen an das Wanderwegenetz auf dem Kamm — und der Ortsname selbst ist über die Bonbonmarke Werther's Original weit über Ostwestfalen hinaus geläufig.
Für unsere Arbeit heißt das: In Werther gibt es kein einheitliches Schadbild, sondern drei Welten mit eigenen Regeln. Im Stadtgebiet entspringen Schwarzbach und Warmenau; hinzu kommen Quellmulden, Gräben und Verrohrungen am Hangfuß. Auf diesen Wasserlinien wandern Ratten, und sie erreichen Gebäude überall dort, wo Kellerabgänge, Lichtschächte und Regenwasseranschlüsse tief im Gelände sitzen. Der Fachwerkkern bringt die zweite Liste mit: Gefache, Balkenköpfe und Deckenhohlräume sind zugleich Laufweg für Mäuse, Nistplatz für Wespen und ungeschütztes Bauholz für Nagekäfer und Hausbock, dazu enge Hinterhöfe, in denen Abfall, Getränkeleergut und Fettabscheider der Gastronomie eng beieinander stehen — dort werden Schaben zum Thema, und dort muss jede Maßnahme lückenlos dokumentiert sein. Die dritte Welt ist die Streusiedlung: Auf den Hofstellen in Isingdorf, Rotenhagen und Rotingdorf geht es um Futter- und Saatgutlager, um Pferdeboxen und Heuböden, um Stallmäuse im Winterhalbjahr und um den Steinmarder im Wirtschaftsgebäude. Und weil die Wallhecken jeden Hof mit dem nächsten verbinden, wandern Nager hier nicht über offenes Feld, sondern gedeckt — was den Zulauf berechenbarer, aber auch hartnäckiger macht. Wo Ferienzimmer und Gästewohnungen an der Kulturroute und an den Wanderwegen vermietet werden, kommt zuletzt das Thema Bettwanzen dazu.