Warburg ist eine mittelalterliche Doppelstadt, und das ist keine Fußnote für Stadtführungen, sondern für unsere Arbeit der wichtigste Punkt. Die Altstadt wuchs unten im Tal der Diemel, die Neustadt wurde im 13. Jahrhundert oben auf dem Bergrücken angelegt; dazwischen liegen Treppengassen, Stützmauern und ein steiler Hang. Beide Kerne sind bis heute von Stadtmauer, Wehrtürmen und Toren gefasst, und kaum eine westfälische Stadt hat so viele erhaltene Fachwerkhäuser — das älteste datierte Fachwerkhaus Westfalens steht hier. In diesem Bestand suchen wir andere Dinge als im Neubaugebiet am Stadtrand: offene Gefache und ausgewaschene Fugen im Bruchsteinsockel, an denen Mäuse einwandern, Ausflug- und Fraßspuren an Schwellen, Ständern und Deckenbalken, feuchte Kellerhälse in Hanglage sowie eine vielfach gebrochene Dachlandschaft mit Gauben, Kehlen und Anschlüssen, in der ein Marder viele Wege und ein Taubenschwarm reichlich Auflagerfläche findet.
Außerhalb der Mauern verschiebt sich das Bild. Warburg ist Bahnknoten: Am Bahnhof halten Fernzüge, in Scherfede kreuzen sich die Strecken erneut, und entlang von Gleisbetten, Böschungen und Entwässerungsschächten verlaufen Wanderrattenreviere, die keine Grundstücksgrenze kennen. Der Reiseverkehr wirkt in die andere Richtung: Bettwanzen reisen im Gepäck an und werden in Ferienwohnungen, Monteurzimmern und Gästehäusern abgesetzt — auch im Kurbetrieb von Germete, wo Beherbergung und Gastronomie dicht beieinanderliegen. In den übrigen Stadtteilen dominiert die Landwirtschaft: In Calenberg, Daseburg, Dössel, Welda, Wormeln, Herlinghausen und Bonenburg stehen Hofstellen mit Stall, Futterlager und Maschinenhalle mitten im Dorf, Wand an Wand mit dem Wohnhaus. Und weil die Diemel mit ihren Zuflüssen das Stadtgebiet durchzieht und Waldkanten wie die um Hardehausen bei Scherfede oder die Feldgehölze am Desenberg bis an die Ortsränder reichen, gehören Ratten an Uferböschungen und Marder unter dem Dach zum festen Bestand unserer Einsätze.